G’sundes Südtirol im September: Das unsichtbare Nervensystem

Ein Netzwerk aus rund 100 Milliarden Nervenzellen und Billionen von feinsten Nervenfasern verarbeitet gigantische Datenmengen und schickt Signale durch unseren Körper, erklärt unser Radio-Dr. Christian Thuile. 

Einen Teil davon können wir bewusst steuern, beispielweise das Gehen, das Greifen, auch das Fühlen, der größere Teil funktioniert aber autonom und meist ohne, dass wir davon überhaupt Notiz nehmen. Und das, obwohl es sich um lebenswichtige Abläufe handelt, wie unsere Atmung, den Herzschlag, den Blutdruck, die Verdauung, eigentlich um alle Funktionen der inneren Organe.

Wie das so genannte autonome (auch unsichtbare) Nervensystem funktioniert, lässt sich am besten an einem Beispiel veranschaulichen, so der bekannte Vorsorgemediziner: Sind wir aufgeregt klopft unser Herz ganz von alleine schneller, die Atmung ist beschleunigt, der Mund wird trocken, wir bekommen schwitzige Hände, der Bauch fühlt sich kribbelig an, auch unsere Muskeln spannen sich an und bekommen mehr Sauerstoff, weil der Blutdruck steigt. Legt sich die Aufregung, beruhigt sich unser Körper wieder, auch die Atmung und der Herzschlag, wir entspannen uns, das geht eigentlich alles von alleine

Unser autonomes Nervensystem besteht aus drei Hauptteilen: Dem Sympathikus, unser Aktivierungssystem, das uns bereit macht auf Stress- oder Gefahrensituationen zu reagieren. Dem Parasympathikus mit dem berühmten Vagusnerv, der für Ruhe, Erholung und auch die Verdauung zuständig ist. Und dem Bauchgehirn, ein eigenständiges Nervengeflecht direkt an der Darmwand, das so komplex ist, dass es (nach dem Gehirn) mit den zweitmeisten Nerven ausgestattet ist.

Der Vagusnerv und der Sympathikus arbeiten gegensätzlich, oft am selben Organ, verfolgen aber ein gemeinsames Ziel, nämlich ein Gleichgewicht herzustellen. Wenn der Sympathikus den Herzschlag beschleunigt, beispielsweise wenn wir Sport machen, hat der Vagusnerv den Job diesen herunterzubremsen, sobald wieder Ruhe angesagt ist. Im Alltag pendeln wir ständig zwischen diesen beiden Polen hin und her, ohne es zu merken. Beispielsweise unser Herzschlag ist im Tagesverlauf nicht konstant, unser Puls ist auch dann nicht immer gleich schnell, wenn wir nur ruhig sitzen.
 
Es ist schon gut, dass die Evolution solche Aufgabe an ein autonomes System ausgelagert hat, das rund um die Uhr arbeitet. Müssten wir uns darum kümmern, dass unser Herz regelmäßig schlägt und uns womöglich auch noch um die Atmung und die Verdauung kümmern, wir würden zu nichts anderem mehr kommen. Obwohl wir indirekt durchaus auch willentlich etwas beitragen können, etwa durch Atemübungen beim Meditieren, dadurch lässt sich auch unseren Herzschlag aktiv senken.


In unserer Gesundheitspraxis bekommen Sie Infos und Tipps vom bekannten Südtiroler Komplementärmediziner, Ernährungsexperten und Bestsellerautor: Dr. med. univ. Christian Thuile. Ihre Fragen zum aktuellen Thema können Sie uns auch mailen.