G’sundes Südtirol: Marmeladen und Kompotte
Sich einen Vorrat an selbstgemachten Marmeladen und Kompotten anzulegen hat bei uns eine lange Tradition, erklärt Dr. Christian Thuile.
Dabei handelt es sich zweifelsohne um echtes Soul-Food. Und trotzdem muss die Frage erlaubt sein, ob diese Schätze tatsächlich gesünder sind als industriell hergestellte Produkte. Dafür spricht einiges, denn wir haben es schließlich selbst in der Hand, welche Qualität von Früchten wir verwenden, in welchem Reifegrad und für wie viel Zucker und andere Zusatzstoffe wir uns entscheiden.
Fakt ist: Durch das Erhitzen verändert sich das Obst und wir verlieren einen Teil der hitzeempfindlichen Vitamine, wie das Vitamin C und die Folsäure, die wir für die Blutbildung und die Energiegewinnung in unserem Körper dringend brauchen. Gut erhalten bleiben vor allem die Ballaststoffe, die Mineralstoffe, auch die sekundären Pflanzenwirkstoffe, vor allem in den Beeren auch die Farbstoffe, die für unser Immunsystem so wertvoll sind. Um den Verlust an wichtigen Inhaltstoffen möglichst gering zu halten ist es wichtig flott und sauber zu arbeiten.
Wie viel Zucker in die hausgemachten Marmeladen kommt, ist eine ziemliche Wissenschaft, zwischen: so viel wie nötig und so wenig wie möglich. Von der früher gängigen Methode: 1 Kilo Zucker auf 1 Kilo Frucht, damit die Marmeladen lange halten, ist man weggegangen, vom Gelierzucker reicht 1 Teil Zucker auf 3 Teile Frucht völlig aus. Viele verwenden Pektin, beispielsweise aus unseren Äpfeln, dieses macht Marmeladen auf natürliche Weise haltbar, sorgt für eine gute Streichbarkeit und dieser lösliche Ballaststoff bringt nebenbei auch Vorteile für die Darmflora, senkt den Cholesterinspiegel, führt zur Regulierung des Blutzuckerspiegels. Auch das geschmacksneutrale Algenprodukt Agar Agar hat sich für eine lange Haltbarkeit bewährt. Es besteht aber auch die Möglichkeit Marmeladen ganz ohne Zuckerzusatz herzustellen, indem wir die Frucht einkochen, abfüllen und einfrieren. Von den wertvollen Inhaltstoffen und vom gesundheitlichen Aspekt her, ist diese Methode besonders schonend. Sobald sie aufgefroren ist, ist sie im Kühlschrank allerdings nur ein paar Tage haltbar.
Hat sich auf unserer Marmelade Schimmel gebildet, muss diese prinzipiell leider entsorgt werden, denn Schimmelpilze können sich bereits bis ganz auf den Boden des Glases ausgebreitet haben, das lässt sich mit freiem Auge gar nicht sehen. Andererseits haben sich unsere Großeltern darüber noch nicht so viele Gedanken gemacht und den Schimmel einfach weggeschöpft und gut war, hier ist das letzte wissenschaftliche Wort noch nicht gesprochen.
Die Tradition des Kompotte-Machens ist leider etwas in Vergessenheit geraten, dabei wäre dies eine hervorragende Methode um Obst haltbar zu machen. Es bedarf dafür nicht zwingend Zucker und es gehen viel weniger Ballaststoffe verloren, weil die Früchte als Ganzes (Kirschen) oder in großen Stücken (Pfirsiche) verwendet werden, ein großes Plus für die Verdauung und die Darmflora. Weitere gesunde Eigenschaften und die besondere geschmackliche Note bekommen wir mit Zimt, Sternanis, Kardamom, Gewürznelken oder Vanille hinein.
In unserer Gesundheitspraxis bekommen Sie Infos und Tipps vom bekannten Südtiroler Komplementärmediziner, Ernährungsexperten und Bestsellerautor: Dr. med. univ. Christian Thuile. Ihre Fragen zum aktuellen Thema können Sie uns auch mailen.