G’sundes Südtirol: Die Mal-Therapie
Wenn die Worte fehlen, kann eine Maltherapie helfen sich auszudrücken, erklärt unser Radio-Dr. Christian Thuile.
Die Maltherapie kann bei bestimmten Erkrankungen als Ergänzung zu anderen Behandlungen sehr gut wirken und ist auch für jedes Alter geeignet. Dabei geht es nicht darum zu lernen ein schönes Bild zu malen, sondern darum sein Innerstes und seine krankheitsbedingt angespannte Gefühlswelt, ohne Worte zum Ausdruck zu bringen. Das hilft vor allem der Psyche, kann Ängste nehmen und aufzeigen, dass man, trotz allem, immer noch etwas selbst schaffen kann.
Im Unterschied zur Musiktherapie, die in erster Linie auf den Rhythmus baut, ist es bei der Maltherapie eher etwas Manuelles. Man arbeitet mit Pinseln und Farben, bringt etwas zu Papier, man drückt etwas aus, lässt auf diesem Weg auch etwas los und räumt damit auch irgendwie auf und das alles hilft bei den unterschiedlichsten Krankheitsbildern.
Eines der wichtigsten Einsatzgebiete für die Maltherapie sind Essstörungen, da man damit seine Gefühle ausdrücken kann, ohne darüber sprechen zu müssen. Malen Betroffene sich selbst in der gefühlten Größe und vergleichen sich damit, erkennen sie oft ihr verzerrtes Selbst- und Körperbild, auch das kann für den Heilungsprozess hilfreich sein. Auch bei Depressionen oder Burnout kann die Maltherapie eine große Unterstützung darstellen, da sie dazu beiträgt die innere Leere zu füllen, die Betroffene oft begleitet. Interessant ist sie auch bei Alzheimer, denn während Wörter oft aus dem Gedächtnis verschwinden, bleiben Farben und damit verbundene Eindrücke viel länger darin erhalten.
Als besonders wertvoll hat sich die Maltherapie bei traumatisierten Menschen erwiesen, etwa nach einem Unglück, einem Unfall oder nach Gewalt- oder auch Kriegserfahrungen. Das Malen ermöglicht es, sich auszudrücken, wenn Worte nicht mehr für das Geschehene und die dadurch ausgelösten Gefühle ausreichen. Verhaltensauffällige Kinder lernen dadurch ihre Aufmerksamkeit auf etwas zu lenken, ihre überschüssige Energie zu kanalisieren und spielerisch ihre Kraft zu kontrollieren, drücken sie zu fest, reißt das Papier.
Die Deutsche Krebshilfe bezeichnet die Maltherapie als einen wichtigen Teil der unterstützenden Therapien. Krebspatienten fühlen sich oft ohnmächtig und der Krankheit und den notwendigen Behandlungen ausgeliefert. Das Malen gibt ihnen wieder eine Stimme, sie können damit ihre Wut auf den Tumor, die Hoffnung auf Heilung, die Angst vor dem Tod und den Behandlungen Ausdruck verleihen.
Malen kann nicht nur bei bestimmten Krankheiten nützlich sein, es ist allgemein eine gute Möglichkeit seine Kreativität auszuleben und sich auch Freiräume im stressigen Alltag zu schaffen. Zu malen würde uns allen guttun, zum Stressabbau, für die innere Ruhe und das ist natürlich ein wichtiger vorsorgender Beitrag für unsere Gesundheit.
In unserer Gesundheitspraxis bekommen Sie Infos und Tipps vom bekannten Südtiroler Komplementärmediziner, Ernährungsexperten und Bestsellerautor: Dr. med. univ. Christian Thuile. Ihre Fragen zum aktuellen Thema können Sie uns auch mailen.