G’sundes Südtirol: Der Vagusnerv

Den Sympathikus können wir uns wie ein Gaspedal vorstellen, den Vagusnerv wie eine Art Bremse, erklärt unser Radio-Dr. Christian Thuile, und wir brauchen beides gleichermaßen.

Beim Vagusnerv handelt es sich um einen eigenständigen Hirnnerv, der direkt aus dem Gehirn heraus startet und hinunter bis zu den untersten inneren Organen reicht und diese versorgt. Lunge, Herz und vor allem ist er von zentraler Bedeutung für unsere Verdauung.

Dieser Ruhe- und Regenerationsnerv wird im Englischen als „Rest and Digest-System“ bezeichnet. Der Vagusnerv hat beispielsweise die Aufgabe uns nach einem anstrengenden Arbeitstag aus dem Stressmodus herunterzuholen. Wird er aktiv, sinkt unser Blutdruck, die Herzfrequenz nimmt ab, der Puls wird langsamer und die Atmung entspannt sich. Und vor allem schaltet sich auch die Verdauung ein und unser Körper gewinnt wieder Energie und wir erholen uns.

Im Zusammenhang mit dem Darm ist oft die Rede vom „zweiten Gehirn“, auch von der Darm-Gehirn-Achse, weil sich hier so viele Nervenendigungen und -Zellen befinden. Den Hauptanteil daran hat der Vagusnerv, indem er für den Datenaustausch zwischen Gehirn zum Darm und vor allem auch dafür sorgt, dass die wichtigen Infos unseres Verdauungstraktes vom Darm zum Gehirn gelangen.

Es gibt verschiedene professionelle Möglichkeiten, um den Vagusnerv zu stimulieren. Aber wir bekommen es auch ganz leicht selbst hin, ihn in stressigen Phasen zu unterstützen und für etwas innere Ruhe sorgen. Da er bei den Stimmbändern vorbei verläuft, können wir ihn durch die Vibration dieser aktivieren. Und das erreichen wir durch Brummen oder Summen, natürlich öfter und je länger, umso besser. Weniger angenehm, aber genauso effizient ist es, sich eiskaltes Wasser ins Gesicht zu spritzen. Auch wenn es erst mal nach Stress ausschaut, der Vagusnerv reagiert darauf super, wird augenblicklich stimuliert, der Puls geht runter und es stellt sich Erholung ein.

Der Vagusnerv macht sich manchmal im Praxisalltag von Dr. Thuile bemerkbar, bei Patienten denen Blut abzunehmen ist, die aber kein Blut sehen können. Ihnen wird zunächst heiß, dann übel und schwindelig und oft werden sie dann plötzlich bewusstlos. Auch dahinter steckt der Vagusnerv. Genauso wie im Sommer, wenn jemand lange bei großer Hitze draußen steht. Dadurch kann es zum Blutdruckabfall kommen, den Betroffenen wird schwindelig und sie sacken zusammen. In solchen Situationen ist der Vagus höchst aktiv und man versucht, als Gegenmaßnahme, den Sympathikus zu aktivieren, indem man klassischerweise die Beine hochlagert.


In unserer Gesundheitspraxis bekommen Sie Infos und Tipps vom bekannten Südtiroler Komplementärmediziner, Ernährungsexperten und Bestsellerautor: Dr. med. univ. Christian Thuile. Ihre Fragen zum aktuellen Thema können Sie uns auch mailen.