Ein ganz besonderer Literaturpreis geht nach Südtirol

Beim Ohrenschmaus Preis 2026 in Wien wurden zwei Südtirolerinnen ausgezeichnet. Annemarie Delleg und Monika Hochgruber überzeugten mit ihren Texten bei dem Wettbewerb, der Menschen mit Lernbehinderung eine Stimme gibt.

Monika wurde für ihren Text „Alte Katzen, kleine Babys und meine Pension“ prämiert, in dem sie sich ehrlich und persönlich mit ihrem Leben auseinandersetzt. Dafür gab es auch 1.000 Euro Preisgeld.


Monikas Text: 

Alte Katzen, kleine Babys und meine Pension
Übernächstes Jahr gehe ich in Pension. Wenn´s passt. Ich meine die Rente, nicht in Pension als ein anderes Wort für Gasthaus.

Aber das ist gar kein so großer Unterschied, ich stelle mir meine Pension vor wie einen langen Urlaub. Die Pension endet mit dem Tod, dann fahre ich nach Hause in den Himmel. Ich hoffe das Geld, das ich bekommen, ohne zu arbeiten, reicht so lang.

Wenn Betreuerinnen in Pension gehen, gibt es einen Wechsel - kann mir auch passieren, dass die Neue gar nicht meine Sprache spricht.

In der Pension muss ich schon auch noch Sachen tun. Die Katze hat jeden Tag Hunger, vom Füttern kann man nicht Urlaub machen. Die Katze kann nicht sprechen und ich verstehe sie doch. Sie kratzt, wenn ich sie nicht gehen lasse. Sie wackelt mit dem Schwanz, wenn sie böse ist.

Sie muss mich auch verstehen, ich stoße ihr hintendrein, wenn sie nicht weiterfind. Morgens lasse ich sie raus. Denn ganzen Tag ist sie auf der Gischte, kommt erst nachts wieder heim. Junge kriegt sie keine mehr, das ist vorbei. In meinem Alter ist das auch vorbei.

Ich rieche am Kopf meine Katze, sie riecht wie ein Baby.
Mit Baby kann ich nachts nicht schlafen, es weint. Das schafft man nicht mehr in meinem Alter. Dann weine ich mit.

Wenn ich mich nicht mehr auskenne, rufe ich meine Schwestern an. Dann schläft gar niemand mehr. Ich frage sie.: „Was soll ich tun?“. Sie würde wohl sagen: „Windel wechseln, Strampler wechseln, hoppen, Füßchen massieren, dann wir es ruhig.“

Als Mama muss man nur Flasche geben keine Spritzen. Dazu braucht es nur Hausverstand keinen Schulabschluss.

Irgendwann geht das Kind an meiner Hand. Wenn der Junge dann groß ist, sagt er: „Ich gehe jetzt allein, lass mich los.“
Aber für mich ist das Thema vorbei - ohne dass es jemals wirklich war.