Missbrauch: Tabu wird Thema

Die Kirche hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Thema „sexueller Missbrauch“ vom Tabuthema zum Dauerthema zu machen.

Laut ASTAT hat fast ein Drittel der Südtiroler Frauen mindestens einmal in ihrem Leben körperliche oder sexuelle Gewalt erfahren. „Auch Kinder und Jugendliche sind immer noch Opfer von sexueller Gewalt“, so Gottfried Ugolini, Beauftragter für Prävention. Die Kirche richtet daher ihr Augenmerk unabhängig von Geschlecht und Alter auf alle seelischen und körperlichen Missbräuche.

Um Südtirol für die Thematik zu sensibilisieren, wird am Mittwoch, den 18. Oktober in Bozen eine Tagung mit dem Titel „Es passiert immer und überall. Für eine Kultur der Aufmerksamkeit zur Prävention sexueller Gewalt“ für alle Mitarbeiter von seelischen und sozialen Einrichtungen, Kirche, Schulen und auch private Interessierte veranstaltet.

Gottfried Ugolini weiß um die Wichtigkeit dieses Themas für die Kirche. „Die Kirche ist umso mehr betroffen, weil sie selbst die großen Werte, nämlich Liebe, Achtsamkeit und Respekt, vorgibt. Wenn Menschen aus dieser Gemeinschaft dann genau das Gegenteil tun, ist jedes Vertrauen seitens der Menschen weg", meint er.

Dass in keinem Fall nur die Kirche betroffen ist, zeigen unter anderem jüngste Meldungen von einem italienweit zerschlagenen Kinderpornoring, dessen Rädelsführer aus Südtirol sind. „Oft handelt es sich auch um verheiratete Menschen, den/die freundliche/n Nachbar, die/der auch sozial engagiert ist“, ergänzt Ugolini. Die Gewalt ist zudem nicht immer physischer Natur und daher nicht immer klar sichtbar. Die kann auch in Form von Worten, Verharmlosungen und Witzen zu Tage kommen und in Kindern und Jugendlichen durch verletzte Schamgefühle Traumata auslösen, worunter diese dann ihr ganzes Leben lang leiden.

Der Kirche ist es darum ein Anliegen die Fakten auf den Tisch zu legen und offen drüber zu sprechen: kontinuierlich und gewinnbringend.

Opfer können sich an die Ombudstelle der Diozöse oder an Young and Direct wenden, um die entsprechende Hilfe und Unterstützung zu bekommen.