Scheidungen für 16 Euro. Günstig, einfach und schnell.

Drei von zehn Ehen in Südtirol gehen früher oder später in die Brüche. Ein neues Gesetz verkürzt jetzt langwierigen Trennungen: Scheidung auf der Gemeinde für 16 Euro.

Seid Kurzem ist das in Südtirol bzw. in Italien möglich. Das Schnellverfahren in Sachen Scheidung kann auf der  Gemeinde eingereicht werden, wo man geheiratet hat, sagt der Bozner Familienrechtsexperte und Rechtsanwalt Hansjörg Buratti:

In Italien galt bisher die Unterscheidung zwischen Trennung und Scheidung. Diese konnten bisher nur von der ordentlichen Gerichtsbarkeit (einem Gericht) abgehandelt werden. Die Reform sieht hier vor, dass zur Entlastung der Gerichte bestimmte Bereiche auf die Gemeinden übertragen werden; wenn bestimmte Voraussetzungen gegeben sind.

Das bedeutet, unter gewissen Umständen können Paare, die bereits die 3 Jahre Trennungszeit  hinter sich haben, jetzt den Rest auf der jeweiligen Gemeinde erledigen.

In diesem Fall können die beiden Ehepartner dem Standesbeamten mitteilen, dass sie jetzt die Scheidung wünschen. Wenn keine minderjährigen-, behinderten Kinder oder Kinder, die noch nicht selbsterhaltungsfähig sind, vorhanden sind, lädt der Standesbeamte beide Eheleute ein, diesen Wunsch auf Scheidung zu bestätigen. Dann sind die beiden rechtskräftig geschieden.  

Außerdem dürfen keine vermögensrechtlichen Aspekte bestehen, also auch keine Unterhaltszahlungen. Dann kann die Gemeinde die Scheidung durchführen. Vorteil: es geht sehr schnell und es kostet die Ehepartner eine Gebühr von 16 Euro.

Ich glaube, dass die Trennung auf der Gemeinde, in Anspruch genommen wird. Es gibt einfach sehr viele Ehen, die relativ schnell getrennt werden, vor allem jene wo keine Kinder vorhanden sind. Zuständig ist die Gemeinde wo die Ehe geschlossen wurde. Die Gemeinden müssen die Scheidung durchführen da es sich um ein nationales Gesetz handelt. Wie es sich in der Praxis bewährt, werden die nächsten Monate und Jahre zeigen. Ist das Meldeamt der jeweiligen Gemeinde klein, wird die Aufgabe dem Bürgermeister zukommen und er wird sich vor allem die ersten Male entsprechend informieren müssen.

Rechtsanwalt Hansjörg Buratti rechnet außerdem damit, dass die Trennungszeit in den nächsten Monaten stark verkürzt werden wird.

Wir sprechen hier auf die Reduzierung der Trennungszeit, im strittigen Fall auf ein Jahr, im einvernehmlichen Fall auf ein halbes Jahr.

Der Bürgermeister ist sozusagen der neue Scheidungsanwalt. Während das beschleunigte Verfahren bei vielen Experten auf Zustimmung stößt, kommt Kritik unter anderem von der Kirche.

Wie Rechtsanwalt Hansjörg Buratti im Interview bereits erwähnt hat, wird sich zeigen, ob dieses Gesetz sich in der Praxis bewährt.