Namen machen Leute

Der Name kann ein Fluch sein - das wissen nicht nur die Kevins dieser Welt, sondern auch Menschen mit typisch „schwarzen“ Namen in den USA. Ein Professor der Uni Bozen hat dies nun mit einer Studie wissenschaftlich bestätigt.

Das Phänomen des Kevinismus* hat uns bereits gelehrt, dass der Name das Leben ihrer Träger maßgeblich beeinflusst. So ist erwiesen, dass beispielsweise der famose Kevin von einem überwiegenden Anteil der Lehrpersonen eher negativ und als verhaltensauffällig wahrgenommen sowie schlechter benotet wird. Eine wissenschaftliche Studie eines Professors der Freien Universität Bozen hat nun klar gezeigt, dass auch Namen, die als typisch „weiß“ oder „schwarz“ wahrgenommen werden, eine unterschiedliche Behandlung zur Folge haben.

Diskriminierung in der US-amerikanische Verwaltung
Der Bozner Uni-Professor Mirco Tonin stellte die amerikanischen Lokalbehörden gemeinsam mit anderen Forschern auf dem Prüfstand. Es wurde in rund der Hälfte aller Lokalverwaltungen geforscht, darunter Schulverwaltungen, Arbeitsämter, Sheriffbüros, Bibliotheken und Finanzämter. Unterm Strich kam dabei heraus, dass US-amerikanische Behörden Afroamerikaner deutlich diskriminieren, obwohl das illegal ist.

An die verschiedenen Verwaltungen gingen fingierte E-Mail-Anfragen der Forscher zu unterschiedlichsten Themen, die einmal mit typisch „weißen“ Namen unterzeichnet wurden, ein anderes Mal mit Namen, die auf eine afroamerikanische Abstammung schließen ließen. Das Ergebnis kann Mirco Tonin folgendermaßen kurz zusammenfassen: „Wenn es ein typischer Afroamerikanischer Name ist, wird wesentlich seltener geantwortet und der Ton ist weniger höflich.“ Am größten resultierte die Kluft bei den Sheriffbüros, die auf 53 Prozent der „weißen“ Anfragen reagiert haben, allerdings nur auf 46 Prozent der „schwarzen“.

Diskrimination beim Mieten und Zimmer buchen
Menschen mit dunkler Hautfarbe müssen auch in anderen Bereichen des Alltags immer wieder mit Schwierigkeiten rechnen. Das Reisen ist hier keine Ausnahme, bestätigt der Professor und führt AirB’n’B als Beispiel an. „Wenn ich im Profil das Foto eines Schwarzen habe, ist das Zimmer vergeben und wenn ich fünf Minuten später das Foto eines Weißen habe, ist das Zimmer frei“, erklärt er ein kurioses Phänomen, welches sich des Öfteren auf der Internetplattform ergibt.

Dass fremde Namen ein Problem sind, erlebt auch die Mexikanerin Martha Jimenez, Wissenschaftlerin am Institut für Minderheitenrechte der EURAC, beruflich wie persönlich. Sie berichtet von Fällen, wie jenen einer Südtirolerin mit marokkanischem Vater, die keine Wohnung findet. „Diese Frau hat sich dafür entschieden nicht mehr ihren eigenen Nachnamen zu nennen, sondern jenen ihres Mannes“, so Martha Jimenez.

Professor Tonin hat durch seine Forschung erkannt: „Viele Menschen halten sich selbst für absolut fair und vorurteilslos, verhalten sich aber unbewusst nicht jedem gegenüber auf die gleiche Weise“, und ergänzt, „das ist verabscheuungswürdig.“

Wenn die Thematik weiteres Interesse in Ihnen erweckt hat, können Sie die Studie (in englischer Sprache) hier nachlesen. 

*Psychologisches Phänomen, welches beschreibt, dass Eltern bildungsferner Schichten ihren Kindern eher exotische oder anglo-amerikanische Namen geben.