G’sundes Südtirol: Zecken haben noch Hochsaison

Nicht der Biss einer Zecke ist gefährlich, sondern dabei möglicherweise übertragene Erreger, erklärt Dr. Christian Thuile.

Zecken lassen sich entgegen der weit verbreiteten Meinung nicht von Bäumen herunterfallen, sondern meist von uns von Gräsern abstreifen. Dann machen sie sich auf die Suche nach einer geeigneten Einstichstellen mit dünner Haut und guter Durchblutung, wie Knie- oder Leistenbeuge oder auch unseren Kopf, Hals oder Nacken. Man spürt sie kaum, so sachte bewegen sie sich fort und sind sie am Ziel, betäuben sie die ausgesuchte Stelle und schneiden unsere Haut auf, verschwinden darin mit dem ganzen Kopf und saugen sich mit Blut voll. Und erst dann bemerken wir sie meist, das kann auch erst Tage nach dem Biss sein und es heißt sofort und richtig zu handeln!

Zecken haben vom Frühjahr bis in den Spätherbst hinein Hochsaison und selbst in höheren Lagen und in milden Wintern fühlen sie sich noch wohl. Diese Spinnentiere sind gefürchtet, weil sie schwerste Krankheiten übertragen können, am schlimmsten sind die Borreliose und die FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis). Etwa 5% der Zeckenstiche führen zu einer Infektion, abhängig vom Immunsystem des Betroffenen und auch von der Zahl der Erreger, die im Speichel der Zecke vorhanden sind. Deswegen wird auch nicht jeder, der von einer Zecke gebissen worden ist, gleich mit einem Antibiotikum behandelt.

Die Zecke muss aber sofort raus aus der Haut und zwar am besten mit einer speziellen Zeckenpinzette. Damit nimmt man das Tier, mit viel Gefühl und ohne es zu quetschen, möglichst weit unter, so nah wie möglich bei der Haut und holt es mit einer Wipp-Bewegung (leicht hin und her) heraus, nicht mit einer Drehbewegung, denn der Kopf soll auf keinen Fall abgetrennt werden! Je kleiner die Zecke, also je weniger Blut sie gesaugt hat, desto weniger geeignet sind die meisten Pinzetten, weil man sie damit nicht gut zu fassen kriegt. In diesem Fall wäre ein Messer oder ein Skalpell mit einer scharfen Kante besser, mit dem man sie wie einen Schiefer herauspellt. Bleibt nur der Stechapparat in der Haut hängen, braucht man sich keine Sorgen zu machen, denn in diesem Bereich sind keine Bakterien oder Viren enthalten, die für uns gefährlich werden können. Anschließend die Bissstelle gründlich desinfizieren und über einen längeren Zeitraum gut beobachten.

Öl oder Klebstoff oder andere oft empfohlene Mittel zum Töten einer Zecke, sollten auf keinen Fall verwendet werden. Denn eine dermaßen „behandelte“ Zecke spukt in ihrem Todeskampf alle Krankheitserreger aus und in die Wunde, das Schlimmste was uns passieren kann.

Eine leichte Rötung auf der Haut ist nach einem Zeckenbiss völlig normal und klingt nach wenigen Tagen wieder ab, ist dies aber nicht der Fall und die Rötung verstärkt oder verändert sich oder breitet sich aus oder es bildet sich eine Entzündung durchherum: bitte sofort einen Arzt konsultieren!Gegen die unheilbare FSME impfen lassen sollten sich Menschen, die sich in Gebieten aufhalten, wo verstärkt Zecken auftreten, rät Dr. Thuile. Eine höchst gefährliche Borreliose kann man eventuell drei Wochen nach dem Biss durch einen Bluttest nachweisen, leider nur mit einer Wahrscheinlichkeit unter 50%, also bleibt meist nur das genaue Beobachten der Wunde und im Zweifelsfall das Geben eines Antibiotikums.

„Zecken haben noch Hochsaison“ in der Gesundheitspraxis „G’sundes Südtirol“ mit Dr. Christian Thuile, dem Leiter der komplementärmedizinischen Abteilung am Krankenhaus Meran. Ihre Fragen dazu können Sie uns auch mailen (bitte Telefonnummer angeben).