G’sundes Südtirol: Vergessen durch Depression

Auch die Gemütsverfassung hat einen starken Einfluss auf unsere Gedächtnisleistung, erklärt Dr. Christian Thuile.

Jeder von uns kann leichte bis mittelschwere Depressionen erleben, gerade jetzt im Herbst, und diese führen auch zu einer Beeinträchtigung von Botenstoffen im Gehirn. In so einer Phase ist es nicht mehr gut möglich die Aufmerksamkeit zielgerichtet auf etwas zu lenken, man kann sich bestimmte Inhalte nicht mehr so genau einprägen und die Lernfähigkeit ist verschlechtert. Wenn wir weniger aufnehmen und lernen, können wir uns weniger merken und unser Gedächtnis verliert an Leistung. Ein solcher Leistungseinbruch fällt zunächst vielleicht nicht besonders auf, dauert dieser Zustand aber über Jahre an und wird nicht behandelt, kann das gravierende Auswirkungen haben.

Leichte Depressionen machen das Leben von Betroffenen freudloser, monotoner und bringen eine Art „innere Traurigkeit“ mit sich, die auch durch freudige Ereignisse im Alltag nicht mehr weicht. Sie können derzeit von den kürzeren Tagen her rühren und dem geringeren Sonnenlicht, aber auch darüber hinaus andauern, sich sogar über Jahre ziehen und in einer echten Depression enden. Man sollte sie also auf keinen Fall verdrängen und sich und anderen etwas vormachen, sondern einen Arzt aufsuchen. Ein weiteres Problem besteht nämlich oft darin, dass Betroffene den Gedächtnisverlust sehr wohl merken und befürchten an Alzheimer zu leiden, was die Depressionen verstärkt, womit sich die Gedächtnissituation weiter verschlechtert. Oft kommen dann noch Schlafstörungen hinzu und Ängste und bald ist der Alltag nicht mehr selbstständig zu bewältigen. 

Auch wenn sich Betroffene genau dazu nur schwer aufraffen können: Bewegung ist bei leichten Depressionen etwas vom Wichtigsten! Am besten gemeinsam mit anderen, weil man dabei auch wieder soziale Kontakte pflegt. Aus dem Pflanzenreich hat sich Johanniskraut bewährt und bei leichten Depressionen wird auch immer öfter ein Wirkstoff aus Lavendel verabreicht.

Schwere Depressionen können das Gedächtnis so stark beeinträchtigen, dass man dafür in der Medizin einen eigenen Begriff geprägt hat: die Pseudodemenz, erklärt Dr. Thuile, mit dem ganz entscheidenden Unterschied, dass das Gedächtnis wieder zurückkehrt und die Gedächtnisleistung fast wieder komplett hergestellt werden kann, wenn rechtzeitig mit einer Behandlung begonnen wird.

„Gedächtnisstörungen durch Depression“ in der Gesundheitspraxis „G’sundes Südtirol“ mit Dr. Christian Thuile, dem Leiter der komplementärmedizinischen Abteilung am Krankenhaus Meran. Ihre Fragen dazu können Sie uns auch mailen (bitte Telefonnummer angeben).