G’sundes Südtirol: Psychische Gesundheit

Frauen leiden nicht öfter an psychischen Problemen als Männer, aber an anderen und sie gehen auch anders damit um, erklärt unser Radiodoktor Christian Thuile.

Interessant ist, dass es bereits im Kinder- und Jugendalter Unterschiede gibt, Buben haben beispielsweise viel häufiger das Aufmerksamkeitsdefizit und das Hyperaktivitätssyndrom (ADHS), Mädchen hingegen haben es öfter mit Ängsten und Stimmungstiefs zu tun. Im Erwachsenenalter kristallisiert sich dann oft heraus, dass Männer eher dazu neigen, ihre Probleme nach außen zu tragen und beispielsweise durch ein Suchtverhalten aufzufallen. Ein großes Thema ist dabei bei uns in Südtirol der Alkohol: rund 20% der Männer haben ein Alkoholproblem, bei Frauen sind es rund 4%. Bei Frauen treten hingegen Stimmungsschwankungen, Depressionen und Ängste um ein vielfaches häufiger auf.

Die Rolle der Frau in unserer Gesellschaft schlägt schwer auf die psychische Gesundheit, der chronische Stress ist bei einer Frau wesentlich höher, als beim Mann, eine gefährliche Vorstufe zu Depressionen. Und noch ein Faktor spielt hier mit hinein, nämlich dass Frauen immer noch wesentlich weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen, auch das trägt dazu bei, dass Frauen chronischem Stress ausgesetzt sind. Frauen grübeln aber auch viel mehr als Männer und dieses Gedankenkreisen ist ein weiterer Risikofaktor für Depressionen.

Worin die Unterschiede zwischen den Geschlechtern begründet sind, darüber steht auch die Wissenschaft noch vor Rätseln. Das Sexualhormon der Frau, das Östrogen, dürfte eine Rolle spielen und eben auch, dass die Erwartungshaltung an die Frau eine andere ist, als an den Mann. Fakt ist, dass Männer früher im Leben psychische Probleme entwickeln als Frauen und zwar um rund 5-6 Jahre früher. Während Männer dazu neigen ihre Probleme zu verdrängen, gehen Frauen viel öfter zum Arzt und begeben sich in Behandlung.

Sich Hilfe zu holen ist das Wichtigste, wenn jemand bemerkt, dass sich über einen längeren Zeitraum ein Unwohlsein ins Leben schleicht, dass Ängste auftreten, immer wieder Stimmungstiefs eintreten und lange anhalten. Ein fachärztliches Gespräch hilft dabei das eigene Stressmanagement zu durchleuchten, Probleme wahrzunehmen und eventuell die richtige Behandlung einzuleiten.

Am Grübeln kann man arbeiten, es gilt Konflikte auszusprechen, sonst bleibt man im Gedankenkreise stecken und fühlt sich darin richtig ausweglos und gefangen. Auch was Erkrankungen der Psyche angeht ist ein gesunder Lebensstil mit viel Bewegung sehr nützlich, Aufenthalte an der frischen Luft, auch Yoga und allgemein Betätigungen in der Gruppe als Ausgleich zu einem stressigen Alltag und vielleicht auch gestalterisch, kreativ aktiv zu werden.

„Psychische Gesundheit“ in der Gesundheitspraxis „G’sundes Südtirol“.

Tipps und Infos vom bekannten Südtiroler Komplementärmediziner, Ernährungsexperten und Bestsellerautor Dr. Christian Thuile, tätig im Medical Center Quellenhof in St. Martin Passeier. Ihre Fragen können Sie uns auch mailen (bitte Telefonnummer angeben).