G’sundes Südtirol: Leben mit Vergesslichkeit

Je älter unsere Gesellschaft wird, desto häufiger treten auch Gedächtnisstörungen auf, erklärt Dr. Christian Thuile.

Alzheimer ist zwar die häufigste Ursache für eine Erkrankung, die zur Vergesslichkeit führt, aber auch andere Krankheiten können das Erinnerungsvermögen beeinträchtigen. Beispielweise Depressionen, die Zuckerkrankheit, Schilddrüsenerkrankungen und auch das so genannte Burnout, das zur kompletten geistigen und körperlichen Erschöpfung führt, aber auch zu schwersten Konzentrationsschwächen, Reizbarkeit und eben auch zu Vergesslichkeit. Auch bestimmte Medikamente kommen dafür in Frage und gerade Senioren kann bei einem Flüssigkeitsmangel, Erschöpfung oder Stress auch das Gedächtnis schon mal im Stich lassen.

Ab und zu einen Namen oder einen Termin zu vergessen, ist noch lange kein Grund zur Sorge, das ist ab einem gewissen Alter sogar völlig normal. Unser Gedächtnis ist keine feste Struktur, so Dr. Thuile, die Verknüpfungen zwischen den einzelnen Gedächtnisinhalten ändern sich ständig und neues Wissen wird eingebaut und ältere Informationen überarbeitet und in den Hintergrund gedrängt und sind damit nicht mehr so leicht erreichbar. Deswegen ist es auch wichtig die Inhalte aus unserem Gedächtnis immer wieder abzurufen, damit sie wirklich präsent bleiben.

Als die beste Vorbeugung von Gedächtnisstörungen eignet sich ein vernünftiger Lebensstil mit gesunder Ernährung und viel Bewegung. Alkohol beschädigt Gehirnzellen, genauso wie Nikotin und auch unser ewiger Stress, daher kommt auch regelmäßiger Entspannung eine wichtige Bedeutung zu. Auch sich geistig fit zu halten ist wichtig, etwa durch viel Lesen, Erzählen, ein Musikinstrument oder auch Sprachen lernen, usw., am besten fordert man sein Gedächtnis immer wieder mit etwas Neuem, ein Leben lang. Und wichtig ist auch die Pflege unserer sozialen Kontakte: Einsamkeit ist auch nicht gut fürs Gedächtnis.

Ein gewisser Grad an Altersvergesslichkeit trifft uns wohl alle früher oder später, auch unser Gehirn lässt mit der Zeit ganz natürlich in seiner Leistung nach. Der große Unterschied zu Alzheimer und anderen Formen der Demenz liegt im Tempo mit dem sich die Vergesslichkeit entwickelt und auch in der Art des Vergessens. Gerade von Alzheimer Betroffene verlieren sich oft in Zeit und Raum, wissen also nicht mehr welcher Tag ist oder wo sie sich im Moment befinden. Je älter der Mensch wird, desto höher die Anzahl der Betroffenen: Bei den 60-jährigen ist einer auf 100 von Alzheimer betroffen, bei der Gruppe der 80-jährigen bereits jeder Vierte.

„Leben mit Vergesslichkeit“ in der Gesundheitspraxis „G’sundes Südtirol“ mit Dr. Christian Thuile, dem Leiter der komplementärmedizinischen Abteilung am Krankenhaus Meran. Ihre Fragen dazu können Sie uns auch mailen (bitte Telefonnummer angeben).