Gartentipps: Die Kunst des richtigen Gießens

Leider sterben über 85 % der Zimmerpflanzen den "nassen Tod" - sie werden übergossen. Das bedeutet nicht, dass sie ertrinken, sondern dass sie stets "nasse Füße" bekommen. Alle Zimmerpflanzen reagieren empfindlich und beleidigt, wenn der Wurzelballen ständig im Wasser steht.

Diese Gefahr ist insbesondere bei Übertöpfen ohne Abzugsloch gegeben, in denen sich überschüssiges Gießwasser sammelt, ohne dass man dies von außen erkennen kann. Deshalb sollte man einige Minuten nach dem Gießen durch Herausheben des Pflanztopfs kontrollieren, ob sich im Übertopf kein Wasser in nennenswerter Menge gesammelt hat und dieses ggf. ausgießen. 

Wasser ist nicht gleich Wasser – worauf ist zu achten?
Ideales Gießwasser ist handwarm und weich sein – das bedeutet es sollte kein Kalk im Wasser sein. Hartes Wasser enthält hingegen vergleichsweise viele Salze und führt recht schnell zu einem zu hohen pH-Wert des Substrats. Man sollte es deshalb nach Möglichkeit aufbereiten. ?Wenn Ihre Pflanze trotz bester Pflege nach längerer Zeit plötzlich gelbe Blätter bekommt oder sonstwie kümmert, könnte es daran liegen, dass der pH-Wert des Substrats zu hoch geworden ist. Denn dann können viele Nährstoffe nicht mehr in ausreichender Menge aufgenommen werden. Auch Eisen, das für die Grünfärbung der Blätter verantwortlich ist, fällt hierunter. Statt Eisendünger zuzugeben, sollten Sie besser versuchen, den pH-Wert in den günstigen Bereich zurückzubringen. Denn wirklicher Eisenmangel ist selten. Umtopfen ist hier die einfachste und gefahrloseste Möglichkeit. 

Wie kann man Gießwasser enthärten?
Bei hohem Kalkgehalt des Leitungswassers geben Sie einen Schuss Essig ins Gießwasser! Oder: Torf oder Rhododendronerde in einen alten Strumpf füllen und über Nacht in 10 Liter Wasser hängen! Übrigens: Unser Gießwassser aus der Leitung sollte generell über Nacht in der Gießkanne stehen, damit Chlor verfliegt und Kalk sich absetzen kann. 

Wann sollte gegossen werden?
Das Gießen der Zimmerpflanzen ist nichts schematisches! Es hängt immer von der Zimmertemperatur, Lichtverhältnisse und Luftfeuchtigkeit ab. Aber auch der Topf der Pflanze spielt eine wichtige Rolle, da eine Pflanze im Plastiktopf immer weniger braucht als im Tontopf! Kontrollieren Sie vor dem Gießen die Blumenerde – machen Sie den Fingernageltest! Drücken Sie den Zeigefinger soweit in die Topferde bis das Nagelbett nicht mehr zu sehen ist. Ist die Erde an der Fingerspitze feucht, dann wird nicht gegossen! Keine Regel ohne Ausnahme: Pflanzen wie z.B. Grünlilie dürfen niemals komplett austrocknen, da dies ebenfalls den sicheren Tod für sie bedeutet. 

Wie sollte gegossen werden – von oben , von unten – welche Pflanzen werden getaucht?
Gießen von oben ist bei den meisten Zimmerpflanzen zu empfehlen. Die Erde wird gleichmäßig durchfeuchtet und der Flüssigdünger im Gießwasser wird ebenfalls gleichmäßig verteilt. Eine Gießkanne mit einem langen Gießrohr verhindert, dass die Blätter nass werden.

Gießen von unten sollten wir nur die Pflanzen mit nässeempfindlichen Knollen wie Usambaraveilchen, Alpenveilchen und Begonien: Leider wird durch die Wasserverdunstung Salze als an Erdoberfläche gezogen, deshalb können diese Pflanzen vorsichtig am Rand gegossen werden.

Tauchen in einem mit handwarmen Wasser gefüllten Eimer ist die beste Möglichkeit für unsere Azaleen aber auch einige Orchideen zu verwöhnen. Dies gilt aber auch für Farne oder andere Ampelpflanzen. Bitte den kompletten Wurzelballen im Wasser untertauchen, bis keine Luftbläschen mehr aufsteigen. Dann hat sich der Wurzelballen mit Wasser vollgesaugt. 

Übrigens: Pflanzen nehmen Wasser sowohl über die Wurzeln als auch die Blätter auf. Deshalb mögen es fast alle Pflanzen gern, wenn sie nicht nur gegossen, sondern zusätzlich ab und zu einmal abgeduscht oder mit Wasser eingenebelt werden.- aber nur mit kalkfreiem Wasser, sonst gibt es hässliche Kalkflecken. 

Welche Pflanzen sind in puncto Wasserversorgung ganz speziell?
Bromelien wie z.B. Lanzenrosette - sie bekommen das Wasser nur über den Trichter "gereicht"! Für jede andere Pflanze wäre dieser Wasserstau in der Pflanze. Sie braucht es so: Aus ihren wasserdichten Trichtern, den sogenannten Zisternen, versorgen sich die Bromelien mit Wasser und Nährelementen!