Coming-out in Südtirol

Laut Schätzungen haben etwa 5 bis 10 Prozent der Bevölkerung eine homesexuelle Neigung. Das wären in Südtirol zwischen 25.000 und 50.000 Menschen.

Dennoch ist Homosexualität immer noch kein 100%ig tabufreies Thema. Für die meisten Homosexuellen ist der Schritt des Coming Out nach wie vor ein großer und schwieriger. Eigentlich komisch, wenn man bedenkt, dass es dabei im Grunde um eine Bekenntnis zur Liebe geht – lediglich zum gleichen Geschlecht anstatt zum anderen.

Doch die Unsicherheit – oft sogar Angst – vor dem Coming-out ist verständlich, denn konservative Werte und traditionelle Rollenvorstellungen sind in unserer Gesellschaft allgegenwärtig. Während man in Städten bereits offener mit der Thematik umgeht, ist die Akzeptanz in kleinen Dörfern und abgeschiedenen Tälern ein wenig schwieriger. Das würde man zumindest meinen, doch ein Gsiesser belehrte Südtirol eines besseren!

Coming-Out auf YouTube trifft auch im Dorf auf Akzeptanz
Auch Andreas Burger hatte große Angst vor diesem Schritt bzw. vielmehr vor den damit verbundenen Reaktionen seines Umfeldes. Mittlerweile ruft der 22-jährige Gsiesser auf YouTube zu mehr Mut auf. Er bekam für sein Coming out in Gsiess viel positives Feedback. „Es sind Leute auf mich und meine Familie zugekommen und haben gesagt wie cool sie es finden, dass sich das jemand traut - vor allem via YouTube“, berichtet er. Die positiven Meinungen überwogen. Das hatte er nie gedacht.

Dennoch versteht er, dass viele Menschen vor dem Outing zögern. „Natürlich muss sich jeder selbst überlegen, ob er sich outen will und ob vor einer großen Menschenmenge oder nur im kleinen Kreise. Man muss ja auch nicht in die Dorfkneipe gehen und das herausschreien. Aber ich finde, es bräuchte mehr Leute in Südtirol, die diesen Schritt wagen“, meint er und macht darauf aufmerksam, dass jeder, der sich öffentlich outet gleichzeitig eine Vorbildfunktion für andere einnimmt, denen vielleicht noch der Mut fehlt.

Selbes bestätigt auch Andreas Unterkircher, der Präsident der Schwulen und Lesbeninitiative Centaurus. „Es trauen sich immer noch wenige sich zu outen. Viele sind zwar in ihrer Familie und im Bekanntenkreis geoutet, bei der Arbeit trauen sich aber bei weitem nicht alle. Dafür braucht es Courage. Die meisten sagen aber, dass sie sich danach wohler fühlen“, erzählt Andreas Unterkircher. Und da helfen Personen, die das öffentlich machen, wie das Sarner Pärchen, welches sich als erstes homosexuelles Paar in Südtirol in eine Lebenspartnerschaft eintragen ließ.

Andreas Burgers Tipp für alle, die das Coming Out wagen möchten:
Sucht euch jemanden, bei dem ihr euch sicher seid, dass er oder sie kein Problem damit hat. Das kann ein Freund, ein Familienmitglied oder eine Lehrperson sein. Wenn ihr euch dann bei dieser Person geoutet habt, habt ihr euch bereits einen positiven Rückhalt geschaffen und startet mit einem guten Gefühl. Diese Person ist dann auch die- oder derjenige, die/der euch auffängt, wenn das Coming-out von der nächsten Person nicht so gut angenommen wird.

Wer sich ein Bild von Andreas Burgers YouTube-Kanal machen möchte, kann das hier tun. Und hier geht’s direkt auf seine Facebook-Gruppe. Er steht gerne mit Rat und Tat zur Seite. Auch Young and Direct steht für Fragen jederzeit zur Verfügung.