15.01. - Tag des Spickzettels

Auch wenn er uns ab und zu fast einen halben Herzinfarkt beschert hätte, wenn wir kurz davor waren, mit ihm erwischt zu werden, so hat er uns auch geholfen manch schwere Prüfung zu bestehen: der Schummelzettel (auch Spickzettel genannt). Im Vorjahr wurde ihm deswegen ein Aktionstag gewidmet.

Früher versteckte man die Zettelchen unter der Bank oder in der Griffelschachtel. Heute hat man Fotos mit Matheformeln und Geschichtszahlen auf dem Handy abgespeichert. Auch der Klassiker der Eistee-Flasche mit „modifiziertem“ Etikett hat überlebt. Fakt ist, der Spickzettel kommt nicht aus der Mode. Darum ist der 15. Januar seit dem Vorjahr der offizielle Tag des Spickzettels!

Nicht zuletzt auch deswegen, weil die Nutzung des Schummelzettels weit über den Schulgebrauch hinausgeht. So kann sich der ein oder andere Fußballfan noch gut daran erinnern, als Jens Lehmann, einstiger Tormann der deutschen Fußballnationalmannschaft, bei der Weltmeisterschaft 2006 vor dem Elfmeterschießen plötzlich einen Spickzettel aus seinen Stutzen zog um sich das Schussverhalten der gegnerischen Schützen in Erinnerung zu rufen. Das Ergebnis spricht für sich: die Deutschen gewannen das Elfmeterschießen gegen die Argentinier mit 5:3. Der geschichtsträchtige Schummler wurde 2010 sogar im Museum für Kommunikation in Frankfurt, im Zuge der Ausstellung „Spickzettel. Bloß nicht erwischen lassen“ ausgestellt.

Der Spickzettel ist als nicht nur in der Schule, sondern in vielen Lebensbereichen eine gute Möglichkeit sich Dinge in Erinnerung zu rufen. Es bietet sich beispielsweise auch bei einem Vorstellungsgespräch, oder im Arbeitsumfeld an, sich für wichtige Gelegenheiten den ein oder anderen Punkt festzuhalten, der im Verhandlungsgespräch nützlich sein kann.

Auch Markus Lintner, Direktor des Pegasus Nachhilfeinstitutes, kann dem Schwindelzettel Gutes abgewinnen. „Es ist einfach ein Hilfsmittel. In der Arbeitswelt habe ich ebenso Hilfsmittel, wie Computer und Taschenrechner, auf die ich zurückgreifen kann. Außerdem kann man das Vorbereiten auf das Schummeln auch schon fast als Lernstrategie ins Auge fassen“, erklärt er. Damit hat er nicht unrecht. Immerhin wird beim Schreiben des Schwindelzettels oft schon so gut zusammengefasst, dass der Schreiber parallel automatisch mitlernt. Und am Ende braucht man den Spickzettel vielleicht nur noch als moralische Unterstützung, ohne ihn effektiv bei der Prüfung zu zücken.

Eine nicht repräsentative Umfrage unsererseits hat übrigens ergeben, dass Schüler vor allem dann schummeln, wenn ihnen die Zeit zum Lernen fehlt, weil Test kurzfristig angekündigt werden, oder – wie es oft in der Vorzeugniszeit passiert – viele Tests in dieselbe Woche gelegt werden. Da wird es schwer auf Druck in kurzer Zeit so viel Stoff auswendig zu lernen. Eine gute Koordination zwischen den Lehrpersonen und eine ausgewogene Verteilung der Klassenarbeiten ist hier sicher hilfreich.